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Klassische Musik und Oper von Classissima

Franz Schubert

Donnerstag 28. Juli 2016


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26. Juli

Strauss: Ein Leben in Liedern (Tyxart)

ouvertureMusikalische Nachlese zum Strauss-Jahr 2014: „Eigentlich sind mir die Lieder das Liebste von allem, was ich geschrieben habe“, so sprach Richard Strauss (1864 bis 1949) einst zu Hans Hotter. Der große Sänger war 1944 zu dem Komponisten gereist, um gemeinsam mit ihm das Programm für einen Festliederabend zu Strauss' 80. Geburtstag im Wiener Musik- verein vorzubereiten.  Lieder hat Strauss immer geschrieben – angefangen vom Weihnachtslied des Sechsjährigen, unter das seine Mutter den Text schreiben musste, weil das Kind es noch nicht konnte, bis hin zu den Vier letzten Liedern aus dem Sterbejahr 1949.  Timothy Sharp, begeisterter Teilnehmer an etlichen Meisterkursen von Hans Hotter, hat eine ganz besondere Beziehung zu Strauss' Liedwerk. Der Bariton hat gemeinsam mit seinem Klavierbegleiter Jan Roelof Wolthuis ein Programm daraus zusammengestellt, das die verschiedenen Stationen im Leben eines Mannes nachvollzieht – er verliebt sich, wirbt und wird erhört; er heiratet, wird Vater, dann Witwer, und denkt schließlich an den Tod.  Die Liedfolge ist, ebenso wie der detailreich ausgearbeitete Text im Beiheft, klug erdacht – allerdings gefällt mir die Umsetzung durch den Sänger nicht. Sharp zitiert Hotter, der wiederum berichtet, Strauss habe gesagt, „man müsse seine Mittel wohl dosieren, da seine Lieder sonst leicht Gefahr laufen, kitschig zu werden.“ Man möge also Sensibilität walten lassen und „seine Lieder wie Schubert-Lieder singen“.  Davon ist hier leider wenig zu spüren: Sharp verwechselt Lautstärke mit Intensität; es mangelt an gestalterischer Delikatesse, und wenn der Text nicht zu verstehen ist, dann ist Liedgesang ohnehin wie der Versuch, ein Haus zu bauen ohne Fundament. Schade drum. 

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17. Juli

Paul Badura-Skoda - Tänze aus Wien (Gramola)

„Er tanzte nie, war aber stets bereit, sich ans Klavier zu setzen, wo er stundenlang die schönsten Walzer improvisierte; jene, die ihm gefielen, wiederholte er, um sie zu behalten und in der Folge aufzuschreiben“, berichtete Leopold von Sonnleithner über Franz Schubert (1797 bis 1828). Zwei ganze Notenbände sind es schließlich geworden. Paul Badura-Skoda spielt auf seiner CD „Tänze aus Wien“ etliche davon, teilweise zusam- mengestellt zu einer Walzerkette.  Ein zweiter Schwerpunkt sind Polkas nach Melodien von Johann Strauß II (1825 bis 1899), arrangiert von Otto Schulhof (1889 bis 1958), dem verehrten Lehrer Badura-Skodas. „Otto Schulhof war ein typisch Wiener Phänomen“, erinnert sich der Pianist im Beiheft. „Mit seiner enormen Musikalität und seiner verblüffenden technischen Meisterschaft hätte er eine Weltkarriere als Pianist machen können. Weil ihm aber lange Reisen und mühsame Hotelübernachtungen zu unbequem waren, zog er vor, der beliebteste Klavierbegleiter in Wien zu werden. Er begleitete alles, was Sang und Rang hatte, seine Fähigkeit, vom Blatt zu lesen, war phänomenal, seine frühen Schallplatten mit Pablo Casals sind Legende.“ Wie Schulhof bekannte Melodien, unter anderem aus der Operette Die Fledermaus, in seinen schwungvollen Tänzen verarbeitet hat, das ist hörenswert – und wie Paul Badura-Skoda musiziert, das begeistert. Große Klavierkunst! Unbedingt anhören! 




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11. Juli

Schubert: Four Impromptus - Sonata in G (Cavi-Music)

„Diese Werke begleiten mich seit meiner frühesten Jugend – natur- gemäß hat mein ,Verhältnis' zu ihnen einige Wandlungen durchlaufen, wird es in der Zukunft hoffentlich auch weiterhin tun“, schreibt Sheila Arnold im Beiheft zu dieser CD. „Die vorliegende Momentaufnahme spiegelt aber neben den Einflüssen des Lebens, durch menschliche und literarische Begegnungen, insbe- sondere meine Erfahrungen mit historischen Instrumenten wider.“  Die Pianistin hat die Impromptus D 899 und die Sonate für Klavier G-Dur D 894 von Franz Schubert (1797 bis 1828) auf einem Steinway D einge- spielt – dem Standard-Konzertflügel. Sie musiziert aber so farbenreich und so differenziert, dass man mitunter meint, ein Fortepiano zu hören.  „Seien es die hörbaren Registerwechsel, die Klarheit der Bassregion, die bisweilen zu einer unerhört grollenden und präsenten Lesart führen muss, der seelenvolle Klang, die präzise und minutiöse Setzung der Artikulationszeichen, die klaren Bezeichnungen der Dynamik und nicht zuletzt das relativ schnelle Verklingen des einzelnen Tones“, schildert Arnold Details ihres Spiels, die sie aus der Beschäftigung mit dem Hammerflügel herleitet. „Diese Erfahrungen ziehen auch Konsequenzen der Pedalisierung, des Timings oder der Tempowahl nach sich.“  Die Pianistin liest tiefgreifende existenzielle Konflikte aus dem Notentext heraus, die sie im Beiheft sehr gelungen erläutert. „Gerade in der Subjek- tivität liegt das Herz dieser Musik“, betont Sheila Arnold. Die Form ist nur noch Hülle: „Das Assoziative, das Fragmentarische, die innere Zerrissen- heit, die Aufhebung der Grenzen zwischen Realität und Scheinwelt, zwischen Leben und Tod, das Erleben der Natur als Projektion des Innenlebens“, beschreibt die Musikerin, was die Werke Schuberts kenn- zeichnet: „Keine Affektenlehre mehr, sondern Psychogramm.“ Daran orientiert sich auch ihr Klavierspiel. Es singt, und es poltert, es murmelt und grollt, mal überirdisch schwebend, mal irdisch zornig. Sehr hörens- wert! 

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9. Juli

Wald. Horn. Lied (Genuin)

Hörnerklang und Männergesang – wer denkt da nicht sofort an Wald und Weidwerk? Das Leipziger Vokalquintett Amarcord und das Hornquartett German Hornsound beschwören auf ihrer neuen CD in der Tat raunende Wipfel und die Freuden der Jagd. Bei der Zusammenstellung des Programms sind sie selbst auf die Pirsch gegangen - und haben einige Raritäten aufzubieten. So beginnt die CD mit einem herrlichen Waldlied von August Horn (1825 bis 1893), einem Leipziger Kapellmeister, der insbesondere als Arrangeur seinerzeit weithin geschätzt und gerühmt wurde. Von Robert Schumann erklingen die Fünf Gesänge aus Heinrich Laubes Jagdbrevier op. 137. Sie zeigen den Komponisten als einen Mann von Humor; so warnt eines der Lieder „Habet acht auf der Jagd! Mancher ist zu Grund gegangen, weil der Nachbar sich verfangen und ein Lauf ist losgegangen! Habet acht auf der Jagd!“  Abwechslung bringt das Quartett für vier Jagdhörner op. 38 von Constan- tin Fjodorowitsch Homilius (1840 bis möglicherweise 1918). Sein Vater war 1838 von Dresden nach St. Petersburg gegangen, wo er zunächst als Erster Waldhornist im Orchester der Kaiserlichen Theater musizierte, später dann als Professor am Konservatorium unterrichtete, und der St. Petersburger Philharmonischen Gesellschaft als Direktor und Schatz- meister vorstand. Sein erstgeborener Sohn Constantin wurde erst Geiger an der Kaiserlichen Oper, und war dann von 1866 bis 1910 Organist der deutschen reformierten Kirche. Danach verliert sich seine Spur. Das Horn- quartett könnte für die Hornklasse seines Vaters entstanden sein. Es ist großartige Musik, wirklich eine Entdeckung.  Das gilt auch für Meeresstille und Glückliche Fahrt für Männerchor und Hörnerbegleitung op. 16 von Carl Goldmark (1830 bis 1915). Damit verlassen wir den sächsischen Wald und machen einen Abstecher nach Wien. Dort lebte Goldmark, der Sohn eines jüdischen Kantors, geboren und aufgewachsen in Ungarn, und fristete sein Dasein als Theatergeiger und indem er Klavierunterricht gab. Von 1862 bis 1865 leitete er zudem sehr erfolgreich einen Männerchor. Als Komponist aber wurde er dann berühmt – auch wenn Hanslick ihn „Dissonanzenkönig“ nannte, feierten ihn sowohl die Kritiker als auch das Publikum. Mit dem Anschluss ans Dritte Reich verschwanden allerdings die Werke Carl Goldmarks von der Bühne; auch nach 1945 interessierte sich niemand mehr für das Schaffen des einst so populären Komponisten. Hört man die farbenreichen Gesänge, wünscht man sich unbedingt die Re-Integration dieses Gesamtwerkes in den Konzert- und Spielbetrieb – das lohnt sich garantiert.  Ins Grüne kehrt die CD anschließend zurück, mit der Waldwanderung von Ferdinand Hummel (1855 bis 1928), sechs Gesängen für Männerchor und Hörner in wechselnder Besetzung. Er war Musikdirektor am Königlichen Schauspielhaus zu Berlin und einer der ersten Filmkomponisten überhaupt. Ohne Hörner erklingen dann die Vier Gesänge op. 17 D 983 von Franz Schubert. Sein Nachtgesang im Walde D 913, nun wieder mit Hornquartett, ist ein bezauberndes Stück, mit sehr viel Atmosphäre. Ähnlich viel Waldes- rauschen findet sich in Waldeinsamkeit op. 38 von Carl Steinhauer (1852 bis 1934). Er hatte in Leipzig studiert und prägte dann über Jahrzehnte den Chorgesang in seiner Heimatstadt Düsseldorf sowie in Oberhausen. Als städtischer Musikdirektor, hochgeachtet und geehrt, ging er 1921 in Rente.  Die beiden Ensembles, die diese Werke abseits des üblichen Repertoires herausgesucht haben, haben bis zum Ruhestand glücklicherweise noch viele Jahre vor sich – wir gratulieren zu einer gelungenen CD, und hoffen auf weitere gemeinsame Projekte. Bravi!



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