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Klassische Musik und Oper von Classissima

Franz Schubert

Freitag 30. September 2016


Crescendo

7. September

„Alle seine Titel haben eine Geschichte“ - „Alle seine Titel haben eine Geschichte“

CrescendoZum 50. Todestag von Fritz Wunderlich hat seine Frau Eva ein Album mit ihren persönlichen Lieblingsaufnahmen zusammengestellt. Wir trafen sie zusammen mit ihrer Tochter Barbara und entdeckten unbekannte Trouvaillen des viel zu früh verstorbenen Ausnahmekünstlers.Zum 50. Todestag von Fritz Wunderlich erscheinen wieder etliche Tribute- Alben – eigentlich wie immer, wenn sein Geburts- oder Todestag anstanden. Was aber kaum einer weiß: Viele dieser Alben entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Familie Wunderlich, basierend auf der langjährigen Arbeit von Eva Wunderlich für das Werk ihres Mannes. Nicht nur, dass sie ihm in seiner Schaffenszeit Muse und ernsthafte Kritikerin war – er verließ sich blind auf ihr Urteil, weshalb er sie bei den meisten Proben, Aufführungen, Konzerten und Studioaufnahmen unbedingt dabei haben wollte. Sie ordnete nach seinem Tod seinen Nachlass und baute das Fritz Wunderlich Archiv auf. crescendo: Frau Eva Wunderlich, Sie haben sich noch mal die Mühe gemacht, für die Deutsche Grammophon eine Jubiläums-CD zusammenzustellen. Wie haben Sie die Stücke ausgewählt? Eva Wunderlich: Die „50 Greatest Tracks“ sind im Grunde eine Zusammenstellung meiner Lieblingsstücke von ihm. Tatsächlich war es atemberaubend, nachdem die Auswahl und Reihenfolge der Titel feststand, all „meine“ Highlights so komprimiert komplett durchzuhören. Fritz sagte: „Wenn man Stilgefühl hat und weiß, wie man die Dinge auseinanderhalten muss, kann einem praktisch, glaub’ ich, nichts passieren, man kann jede Art Musik machen, ohne sich dabei irgendetwas zu vergeben.“ Er hatte ein so unfassbar vielseitiges Können und war so stilsicher beim Singen, beim Trompetespielen (zum Beispiel Mon Bijou) – ja sogar beim Pfeifen, wie auf der hier zum ersten Mal auf Tonträger veröffentlichten Aufnahme aus der Rose von Stambul (Zwei Augen, die wollen mir nicht aus dem Sinn). Für mich haben alle Titel auf dieser Doppel-CD eine besondere Geschichte. Nun kommen Ihre Empfehlungen aus berufener Hand. Sie stammen aus einer Musikerfamilie, Ihr Vater war Professor an der Stuttgarter Musikhochschule und Sie selbst sind studierte Harfenistin. Hat Ihr Mann in Ihnen auch die Musikerin geschätzt? Eva Wunderlich: Bestimmt. Aber er war halt auch ein sehr eigenständiger Geist. Er sagte: „Ich kann fünfmal in der Woche einen Mozart singen, das tut meiner Stimme nicht weh. Und solange ich drauf achte, das zu singen, was in meiner Stimme liegt, und sie nicht überfordere, ist keine Gefahr.“ Allerdings liebte er es sehr, sich bei Tenorhits wie Granada oder Mattinata „stimmlich auszutoben“. Ich hab mir manchmal Sorgen gemacht, ob seine Stimmbänder das auf Dauer schadlos überstehen. Es gab auch Partien – beispielsweise den Tiresias aus Carl Orffs Oedipus der Tyrann, wo er zum Teil ganz seltsam singen musste. So im Diskant, manchmal schreiend. Da hat er mehrere Tage danach keinen Liederabend gemacht. Sie sprechen von seiner Vielseitigkeit: Gab es denn so etwas wie eine Paraderolle für Ihren Vater, Barbara? Barbara Wunderlich: Der Tamino war gewissermaßen eine Schicksalsrolle. Sein erster großer Auftritt noch in Freiburg an der Musikhochschule, sein Durchbruch in Stuttgart und Debüt in Wien und auch sein letzter Auftritt auf der Opernbühne in Edinburgh, nicht einmal 14 Tage vor seinem Tod. Insgesamt hat er den Tamino 124-mal live gesungen (Auftritte ohne Mitschnitte), an seinem 35. Geburtstag in der Wiener Staatsoper sogar zweimal, vormittags in einer Benefizmatinee, abends in einer regulären Vorstellung. In den letzten drei Jahren seines Lebens sang er ihn allerdings nicht mehr so häufig, schließlich galt es, neues Repertoire zu erarbeiten, sich weiterzuentwickeln. Frau Eva Wunderlich, niemand hat länger und intensiver mit Fritz Wunderlich zusammengearbeitet als Sie. Was hat Sie bei seiner Arbeit besonders fasziniert? Eva Wunderlich: Es war seine Ernsthaftigkeit. Er versuchte immer, an den Kern der Musik ranzukommen. Seine Auffassung war: „Ich muss mich in erster Linie mit dem Komponisten auseinandersetzen. Der hat sich mit dem Text auseinandergesetzt und das Ganze in Töne umgesetzt. Wenn ich das richtig bringe, wenn ich es so interpretiere, wie das der Schubert gemeint hat, ist es auch vom Text her in Ordnung.“ Ich habe die ganze Probenarbeit für die Liederabende erlebt; die fand ja bei uns zu Hause statt. Allein Schumanns Dichterliebe: Da haben Hubert Giesen und er drei Tage an dem ersten Lied gearbeitet, und als das dann richtig war, stand eigentlich der ganze Zyklus. Sie sprechen von vielen Proben, dabei hatte man bei Fritz Wunderlich immer den Eindruck, alles würde ihm nur so zufliegen … Eva Wunderlich: Das stimmt. Aber Fritz wollte immer weiter lernen und hatte auch ein gutes Gefühl für die richtigen Lehrer. Nach seinem letzten Liederabend saßen wir mit Ferdinand Leitner, seinem Stuttgarter „Übervater“, zusammen und später noch mit Frau von Winterfeldt, seiner Lehrerin aus Freiburg. Und da hat er mit beiden besprochen, dass er mit ihnen einmal wieder richtig von Grund auf arbeiten wolle, damit sich nicht irgendwelche Dinge einschleichen oder zur Routine werden. Er wollte selbst unterrichten. Es hat ihn fasziniert, wie man so etwas Komplexes wie das Singen vermitteln kann. Es war oft zu lesen, dass ein Tonbandgerät eine wichtige Rolle in seinem Leben spielte … Eva Wunderlich: Das war seine Leidenschaft. Er hat sich technisch unglaublich gut ausgekannt. Sobald er es sich leisten konnte, hat er ein besseres Gerät angeschafft. Er hat auch leidenschaftlich fotografiert und gefilmt. Also ich glaube, wenn es damals schon die Technik von heute gegeben hätte, hätte er überhaupt keine Zeit mehr zum Leben gehabt. Barbara Wunderlich: Das für diese Zeit Innovative war wohl auch, dass er das Medium Tonband so intensiv zur Dokumentation und Selbstkontrolle bei der Arbeit nutzte. Leider hat er vieles wieder überspielt, aber dennoch blieben viele magische Momente erhalten, die mein Vater damals wohl gar nicht für so magisch erachtete. Und dass er nach jeder Aufnahme vom Tonstudio einen Tonbandmitschnitt mit nach Hause nahm, hat mir die Recherche in den diversen Archiven sehr erleichtert und wichtige Aufnahmen vor dem Vergessen bewahrt – wie zum Beispiel seinen legendären letzten Liederabend in Edinburgh im September 1966, wenige Tage vor seinem tödlichen Unfall. Barbara, es gibt ja sehr viele Tonaufnahmen von Ihrem Vater. Sind diese alle veröffentlicht? Wie sieht es denn mit Videos aus? Oder mit TV-Aufnahmen? Barbara Wunderlich: In den 50er-/60er-Jahren war es noch die Ausnahme, dass klassische Produktionen, vor allem Opern, für TV aufgezeichnet wurden, also sind Fernsehaufnahmen meines Vaters leider rar. Videoproduktionen gab es noch gar nicht. Wenn man heute dieses Archivmaterial auf DVD veröffentlichen will, ist das auch rechtlich eine aufwendige Angelegenheit. So wird es eine Komplettausgabe der „TV-Legacy“ von Fritz Wunderlich vorerst wohl nicht geben. Eine Gesamtedition ist auch bei den Tonaufnahmen fast unmöglich. Die Deutsche Grammophon hat in diesem Jahr einen Schritt in diese Richtung vollzogen und sämtliche bei Philips, Polydor und DG entstandenen Aufnahmen zusammengefasst. Auch BR, SWR und ORF, in deren Archiven viele Wunderlich-Aufnahmen liegen, haben uns beim Heben so mancher Preziosen unterstützt und pflegen sein Erbe – auch aktuell – mit vielen Sendungen und eigenen Veröffentlichungen. Zurück zu den „50 Greatest Tracks“. Ein Titel ist uns aufgefallen: Die Steuermann-Arie aus Wagners Fliegendem Holländer. Viele Wagner-Aufnahmen hat Ihr Mann nicht hinterlassen … Eva Wunderlich: Nein. Dies ist die Erstveröffentlichung eines Hausmitschnitts der Bayerischen Staatsoper von 1964. Wieland Wagner wollte Fritz nach seinem Debüt als Tamino in Stuttgart direkt als Lohengrin nach Bayreuth holen. Fritz wusste um den Schaden, den seine junge Stimme nehmen würde, und lehnte ab, frühestens mit 40 wollte er größere Wagner-Partien singen. Für eine Koproduktion der EMI mit der VEB Eterna, dem Klassik-Label der DDR, sang er 1960 bei zwei Studioproduktionen, im Tannhäuser den Walther von der Vogelweide und ebenfalls den Steuermann im Fliegenden Holländer. Der Mitschnitt aus München ist also seine einzige Live-Aufnahme in einer Wagner-Partie. Auch das macht die „50 Greatest Tracks“ für mich so besonders. Carla Neumann

nmz - neue musikzeitung

5. September

Laborarbeit für höhere Liedkunst

„LiederWerkstatt“ Bad Kissingen ist an ein vorläufiges Ende gekommen „Das ist eigentlich das Spannende an dieser Liederwerkstatt, dass man die Möglichkeit hat, mit den Leuten, die das geschrieben haben, wirklich zu sprechen.“ Der Bariton Peter Schöne redet zum Thema Liedkunst – nicht bei Schubert, Schumann oder Brahms. Sondern mit den „Leuten“ meint er all die lebenden Komponisten, deren greifbare Nähe er sucht und findet. So geschehen bei der vierzehnten Ausgabe der „LiederWerkstatt“ des Festivals Kissinger Sommer, mit etlichen Uraufführungen neuer Gesänge in zwei Konzerten. Peter Schöne bot frisch gelieferte und einstudierte Liedkompositionen von dem Deutschen Gordon Kampe und der Aserbaidschanerin Franghiz Ali-Zadeh, einträchtig neben Liedern Robert Schumanns und Peter Tschaikowskys. Weiterlesen






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